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[Tutorial] Beauty-Retusche mit Photoshop

BeitragVerfasst: So 31. Jan 2010, 15:40
von warranty
Wie fast jede Kultur haben auch wir hier in Mitteleuropa eindeutige Schönheitsideale wenn es um das Äußere einer Person geht.
Da aber kein Model perfekt ist und Schminke nur die halbe Miete ist bedarf es meistens noch der Nachbearbeitung am PC.
Hier können allerlei Makel wegretuschiert werden um dem Idealbild näher zu kommen.
Wie weit man dabei gehen will ist jedem selbst überlassen (siehe auch: Grundsatzdiskussion: EBV oder nicht?!).
Ich würde hier gerne Bearbeitungstipps für die Beauty Retusche per Photoshop sammeln und möchte auch gleich beginnen:

Übersicht:

a) Weißabgleich
b) Kontrast
c) Ausbessern-Werkzeug
d) Nachbelichten / Abwedeln
e) Weichzeichnen der Hautstruktur


Vergleich: Vorher <=> Nachher (Zum vergleichen mit der Maus ins Bild fahren <=> wieder raus fahren (onmouseover))



a) Weißabgleich

Das Thema Weißabgleich (kurz: WA) ist eigtl. kein Beauty-spezifisches Thema, für eine gesunde Hautfarbe des Models aber unerlässlich.
Generell lässt sich der WA schon an der Kamera einstellen und wer die Farbtemperatur des verwendeten Lichts kennt, für den hat sich das mit ein paar Handgriffen an der Kamera erledigt.
Doch oftmals gibt es auch Mischlicht oder die Eigenschaften der Beleuchtung ist nicht bekannt, was eine Festlegung der Farbtemperatur nahezu unmöglich macht. Und da eine farbliche Beurteilung am Kamera-Display schwierig ist (das Verwenden des kameraeigenen Histogramms kann aber helfen), bleibt nur die Bearbeitung am PC.
Ich empfehle generell das Fotografieren mit RAW (bzw. NEF bei Nikon), denn zusammen mit z.B. Camera RAW für Photoshop (Info | Download) lassen sich RAW-Datein komfortabel und genau bearbeiten.
In meinem Fall wurden Baustrahler mit einer Farbtemperatur von ca. 3000 Kelvin verwendet.
Alternativ kann der WA auch per Tonwertkorrektur im normalen Photoshop vorgenommen werden, indem man die Regler unter den Histogrammen der einzelnen Kanälen (Rot, Grün, Blau) so bewegt, dass einzelne Pixel aus dem Farbspektrum gekickt werden (rechts die Menge der hellen Bereiche, links die Dunklen).


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b) Kontrast

Hier gilt das gleiche wie bei der Lichtsetzung: Für männliche Models sind kontrastreichere Licht-Setups gebräuchlich, für weibliche Models eher weicheres Licht.
Dementsprechend sollte auch das nachträgliche erhöhen des Kontrasts gehandhabt werden.
Der erste Schritt ist die schon in a) erwähnte Tonwertkorrektur, da dabei der Kontrast unweigerlich erhöht wird.
Danach kann entweder auf die Gradiationskurven oder den einfachen Schiebregler unter Helligkeit/Kontrast zurückgegriffen werden.
Gradiationskurven sind wesentlich genauer und vielseitiger und deshalb möchte ich auch diese Methode wählen.
Eine übliche Änderung der Gradiationskurve ist die S-Kurve, so dass die dunkleren Töne noch dunkler werden und hellere Töne noch heller.
Da das Beispielbild schon hell genug ist und nur die dunklen Bildbereiche schwärzer werden sollen, wird die S-Kurve unterhalb der Originalkurve gelegt.


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c) Ausbessern-Werkzeug

Aus meiner Sicht ist das Ausbessern-Werkezug Bild eines der wertvollsten Möglichkeiten bei der Beauty-Retusche.
Wie beim Lasso-Werkzeug wird hier die "fehlerhafte" Stelle umrissen und dann auf eine makellose Stelle geschoben.
Kontrast und Helligkeit werden dabei automatisch angepasst und wenn man keine Kontrastpunkte anreißt, ist die ausgebesserte Stelle kaum bis gar nicht zu erkennen.
So können beispielweise Pickel, Pigmentstörungen, Falten, Schatten, Fussel oder Sonstiges entfernt werden (Sommersprossen sind eine Ausnahme und bleiben größtenteils unberührt).


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d) Nachbelichten / Abwedeln

Anstatt dem Erhöhen des Schwarzanteils aus a) können Bildpartien auch manuell mit dem Nachbelichter-Werkzeug Bild abgedunkelt werden.
Wenn z.B. der Hintergrund hinter dem Model nicht vollständig schwarz wurde, das Model selbst aber schwarz trägt und die Kleidung nicht an Struktur verlieren darf, dann ist es sinnvoll, den Nachbelichter zu nutzen.
Mit einer entsprechend weichen Pinselspitze und einer Belichtung von beispielsweise 30% lässt sich der HG nachträglich schwärzen, ohne dass man harte Übergänge sieht oder es unsauber "ausgeschnitten" anmutet.

Abwedeln Bild ist das logische Gegenteil von Nachbelichten, nämlich aufhellen. Dieses Werkzeug kann z.B. verwendet werden, um die Augen etwas aufzuhellen und weißer zu machen. Bei dezenter Anwendung wirkt das, vor allem bei weiblichen Models, freundlicher (ein zusätzliches Nachbelichten um 10% ist auch möglich, um wieder etwas Kontrast hineinzubringen).


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e) Weichzeichnen der Hautstruktur

Oftmals wird die Hautstruktur von weiblichen Models durch Weichzeichnen geglättet und "verweichlicht".
Aber auch diese Methode sollte nur mit Bedacht angewendet werden, so dass etwas Hautstruktur sichtbar bleibt.
Dazu wird erst die Hintergrundebene dupliziert und die obere Ebene aktiviert.
Nun wird per Filter > Weichzeichnungsfilter > Gaußscher Weichzeichner um eine - an die Auflösung des Bildes angepasste - Pixelzahl weichgezeichnet, z.B. 10Px.
Da das Bild nun viel zu weich wäre, wird die Deckkraft der oberen Ebene nun reduziert, im Beispiel auf 20%.
Damit der scharfe Eindruck des Bildes aber nicht verloren geht, müssen Augen und Haarpartien wieder vom Weichzeichner entfernt werden.
Dazu wählt man den Protokoll-Pinsel Bild aus und wählt im Protokoll das Kästchen des Schritts, der vor der Aktion des Weichzeichnens liegt, aus.
Nun kann man im Bild die entsprechenden Bereiche wieder freilegen. Nach dem vereinen der beidenen Ebenen (beide Ebenen markieren und Strg + E drücken) haben wir eine weiche Hautstruktur und das Bild wirkt trotzdem scharf.


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Wenn ihr Vorschläge zum ergänzen oder verbessern habt, einfach hier posten, ich werde sie dann in den ersten Beitrag übernehmen.


Dieses Tutorial erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit, Verfügbarkeit oder Aktualität.
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